04.04.- 22.05.2021 Seung-il Chung | „Es ist an der Zeit, dein Inneres zu betrachten.“
- Kunsterlebnis: Enthüllung der Spiegelkiste am 04.04.2021 im Ostergottesdienst
SEUNG-IL CHUNG
Biografie
- * 1979 geb. in Seoul / Südkorea lebt und arbeitet in Seoul und München
Studien - 2011 Diplom Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München
- 2010 – 2011 Meisterschüler bei Prof. Magdalena Jetelová
- 2006 – 2011 Bildhauerei an der AdBK München bei Prof. Magdalena Jetelová
2005 – 2006 Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Thomas Grünfeld - 2004 Associate Degree Medien Kunst an der Kaywon School of Art & Design, Südkorea
- 1999, 2003 Medien Kunst an der Kaywon School of Art & Design, Südkorea
Ausstellungen
In Ulm, 1. Einzelausstellung, in den Goldberg Studios, München, im Märkischen Museum Witten, in Die Vitrine, Nürnberg, St. Pauls Kirche, München, Katholische Akademie in Bayern, München
Diplomausstellung, AdBK, München, in Aichach, Mainburg, Detmold, Moskau, Portugal, der Schweiz, England und Tschechien
Preise
- 2012 Shortlist beim boesner art award, Märkisches Museum Witten,
- Debütantenpreis des Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, München
- 2005 Shortlist beim World of Light Expo, Südkorea
- 1999 Shortlist beim 3. Gwanak Moderne Kunst Wettbewerb, Südkorea
Förderung
- 2013 Projektförderung von der Erwin und Gisela von Steiner Stiftung München,
- seit 2011 Atelierförderung durch Kulturreferat der Landeshauptstadt München,
- 2005 – 06 Rotary International Foundation Ambassadorial Scholarship
Seung-il Chung, Künstler
Holz, Spiegel,1x1x1,2011 - Kunstwerk „Spiegelkiste“ von Seung-il Chung
Dauerleihgabe der Galerie Smudajescheck/München an die Landeskirchliche Kunstsammlung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
„Es ist an der Zeit, dein Inneres zu betrachten.“
Das ist es was der Künstler Seung-il Chung als Zitat zu seinem Kunstwerk,
der Spiegelkiste, die sie hier sehen geschrieben hat.
Es handelt sich um das Werk 1x1x1.
Höhe Breite und Tiefe sind gleich.
Was wie eine trinitarische Formel lautet,
ist lediglich die Beschreibung dessen was ist
und sie hier sehen können. Einen Kubus.
Holz und eine wenig verdeckt für sie zwei Spiegel,
die sich nicht berühren, aber die Kirche und die Decke dieser Kirche widerspiegeln.
„Es ist an der Zeit, dein Inneres zu betrachten.“
Ich finde das ein gutes Motto für Ostern.
Für die Kirche allgemein und die Menschen, die sich darin versammeln.
„Es ist an der Zeit, dein Inneres zu betrachten.“
Er stellt somit auch die Frage, nach der Aufgabe von Religion
Und der Wahrnehmung des eigenen Selbst.
Häufig erleben wir es dass die Kirche nicht das widerspiegelt was sie eigentlich sein könnte.
Und wie selten stellen wir das in Frage?
Wann stellen wir uns in Frage um zu unserem eigentlichen göttlichen Kern vorzudringen ?
Noch immer hat Gültigkeit, was Friedrich Nietzsche einst schrieb:
Die Christen müssten erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.
Was ist los mit der Kirche und was ist los mit uns ?
Sich dieser Frage zu stellen mute ich ihnen heute zu.
In aller Freiheit und in der Hoffnung sie nicht hinter das Licht zu führen,
sondern geradewegs hinein in das Licht Gottes das uns alle im rechten Licht
dastehen lässt.
Die Bibel ist das große Buch der Freiheit.
Gott führt in die Freiheit und genießt selbst die größte Freiheit
Indem er von sich sagt, ich werde sein, der ich sein werde.
Sich dem anzuvertrauen bedarf Mut.
Doch was einem blüht ist, das einem wirklich ein Licht aufgehen kann.
Denn wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, sondern wie wir sind so sehen wir.
„Verborgener Gott,
den es nicht gibt, wie es etwas geben kann,
du bist nicht dort, wo wir dich wissen meinen.
Doch geschiehst du, wo wir dich vermissen.
Verborgener Gott,
du fehlst uns
und wir ahnen doch,
dass du uns näher bist, als wir es fassen,
näher als wir uns selbst.“ (Christian Lehnert)
„Ja es ist an der Zeit, dein Inneres zu betrachten.“
Dieser Satz des Künstlers Seung-il Chung ist Gabe und Aufgabe zugleich.
Ich bitte Sie am Ende des Gottesdienstes zu zweit von links und rechts sich an die Spiegelkiste zu stellen. So wie es ihnen jetzt vorgemacht wird.
Dann werden Sie nämlich eine interessante Erfahrung machen.
Ich kleide sie zunächst mal in Worte, die sie nachher selbst erleben können.
Der Mensch wird am Du zum Ich.
Identität läuft über Integration.
Ansonsten ist es keine echte Identität.
„Verborgener Gott ...
Erweise deine Nähe,
wo Worte und Verstehen enden,
wo das Wort „Gott“ nichts mehr sagt,
wo der Glaube ins offene fällt.
Erweise deine Nähe,
wo das Elend zu groß ist, um es zu begreifen,
wo das Dunkel ohne Widerspruch regiert,
wo die tiefe Nacht alle Gewissheiten raubt.
Erweise deine Nähe,
wo der Tod den Abschied von allem fordert
Und Menschen zwingt,
sich selbst zu verlassen.
Erweise Deine Nähe,
wo Menschen selbstlos lieben und das Gute tun,
ohne es sich anzurechnen,
ohne sich besser als andere zu fühlen,
weil sie dir allein in sich Raum geben.
Erweise Deine Nähe,
wo du fern bist,
bei denen, die sich selbst überheben,
die andere dem eigenen Vorteil opfern,
die keine Gnade und keine Vergebung kennen.
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt
Und als der letzte wird er sich über den
Staub erheben.
Ich selbst werde ihn sehen,
meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.“ (Christian Lehnert)
Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.
Auszug aus der Osterpredigt vom 4.4.2021.
Kunsterlebnis im Ostergottesdienst
26.03.2021 - Die Kunst ist angekommen
Das Kunstwerk von Seung-il Chung ist am 26.03.2021 in der Petruskirche angekommen.
Bis zum Ostergottesdienst am 4.4 blieb das Kunstwerk jedoch verpackt und wurde im Rahmen der Osterliturgie enthüllt.
Seung-il Chung
„Es ist an der Zeit, dein Inneres zu betrachten.“
Mit einem Halleluja von der Orgel wurde das Kunstwerk im Ostergottesdienst am 04.04.2021 sorgsam enthüllt.
Nach dem Ostergottesdienst näherte sich Pfarrer Jean-Pierre Barraud dem Kunstwerk an.
Bilder: Pit Thomas
(wenn Sie das kleine „i“ in der linken oberen Ecke des Rahmens anklicken, kommen Sie zur Bildbeschreibung)
