- 06.07.2026 - „Begegnung schafft Vertrauen.“ - Gemeinsame Erklärung des „Dialogforums Religion und Integration“
- 19.06.2026 - ELKB und Diakonie Bayern unterzeichnen Memorandum für einen starken Flüchtlingsschutz
- 01.06.2026 - Zwei Jahre Hochwasser in Bayern
- 13.05.2026 - Eva Illouz analysiert beim Jahresempfang der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern die emotionale Überforderung der Gegenwart
- 11.05.2026 - Landesbischof Kopp betont nach Ostafrika-Reise die Bedeutung globaler Verantwortung, humanitärer Hilfe und weltweiter Partnerschaften
- 21.04.2026 - Von Wohnraum bis soziale Nutzung: Individuelle Konzepte für kirchliche Immobilien
- Das Zeichen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB)
„Begegnung schafft Vertrauen.“
Gemeinsame Erklärung des „Dialogforums Religion und Integration“
München, 6. Juli 2026
„Begegnung schafft Vertrauen. Wenn Menschen einander zuhören, wächst das Verständnis für die Position des anderen Menschen.“ Landesbischof Christian Kopp begrüßt die Veröffentlichung der Gemeinsamen Erklärung des Bayerischen „Dialogforums Religion und Integration“. „Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten schärfer werden und Menschen versuchen Menschen gegeneinander auszuspielen, können die Religionen Orte des gegenseitigen Zuhörens organisieren.“
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) wirkte an der am Montag, 6. Juli 2026, veröffentlichten Gemeinsamen Erklärung des „Dialogforums Religion und Integration“ mit. Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften, Hochschulen, Verwaltung und Politik unterstreichen darin ihre gemeinsame Verantwortung für Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bayern. Sie sprechen sich für Religionsfreiheit, gegenseitigen Respekt und den Schutz religiöser Einrichtungen aus und setzen ein gemeinsames Zeichen gegen Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, Rassismus, Diskriminierung und religiösen Extremismus.
Sich Zeit füreinander nehmen. Zuhören. Fragen stellen. So wächst Vertrauen
Landesbischof Kopp dankte dem Bayerischen Staatsminister des Innern, für Sport und Integration Joachim Herrmann persönlich für die Initiative zum Dialogforum. „Dass Religionsgemeinschaften, Politik, Wissenschaft und Verwaltung regelmäßig miteinander sprechen, ist nicht selbstverständlich. Solche Orte brauchen wir. Und wir brauchen mehr davon.“ Für Kopp beginnt
gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht bei großen Programmen, sondern dort, wo Menschen einander kennenlernen. „Man muss sich Zeit füreinander nehmen. Zuhören. Fragen stellen. Auch dann, wenn man unterschiedlich glaubt oder unterschiedlich auf die Welt schaut. So wächst Vertrauen.“
Dialog der Religionen ist Friedensarbeit
Seit vielen Jahren engagiert sich die ELKB im interreligiösen Dialog und in der Zusammenarbeit mit jüdischen, muslimischen, alevitischen und weiteren Religionsgemeinschaften in Bayern. Auch in Zukunft wird sie Räume schaffen, in denen Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägungen einander begegnen, voneinander lernen und gemeinsame Verantwortung übernehmen können.
Für Christian Kopp ist der Dialog der Religionen ein unverzichtbarer Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden. „Der Satz des Theologen Hans Küng begleitet mich seit vielen Jahren: ‚Kein menschliches Zusammenleben ohne ein Weltethos der Nationen; kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen; kein Friede unter den Religionen ohne Dialog unter den Religionen.‘ Dieser Gedanke ist heute aktueller denn je.“
Ein Forum für Austausch und gemeinsame Verantwortung
Das „Dialogforum Religion und Integration“ wurde auf Initiative des Bayerischen Staatsministers des Innern, für Sport und Integration ins Leben gerufen. Seit Herbst 2025 kommen dort Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften, Hochschulen, Institutionen des interreligiösen Dialogs, Verwaltung und Politik zusammen, um über die Rolle der Religionen für Integration, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die freiheitlich-demokratische Grundordnung ins Gespräch zu kommen. Die nun veröffentlichte Gemeinsame Erklärung geht auf diesen Austausch zurück.
Christine Büttner, Pressesprecherin
„Es geht auch anders! Gemeinsam für Schutz und Zusammenhalt“
ELKB und Diakonie Bayern unterzeichnen Memorandum für einen starken Flüchtlingsschutz
München/Nürnberg, 19.06.2026
„Wer Flüchtlingsschutz systematisch abbaut, beschädigt nicht nur die Rechte Schutzsuchender, sondern die Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens.“ Mit diesen Worten weisen Dr. Sabine Weingärtner, Präsidentin der Diakonie Bayern, und Christian Kopp, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), auf eine zunehmende Verschärfung der europäischen und
deutschen Flüchtlingspolitik hin. Anlass ist das Memorandum „Es geht auch anders! Gemeinsam für Schutz und Zusammenhalt“, das am Internationalen Tag des Flüchtlings am 20. Juni veröffentlicht wird – und gleichzeitig an die Unterzeichnung der Genfer Flüchtlingskonvention vor 75 Jahren erinnert.
Das Memorandum formuliert bewusst eine Gegenposition zu einer politischen Entwicklung, die zunehmend von Abschottung, Einschränkungen des Asylrechts und einer Verschärfung des gesellschaftlichen Tons geprägt sei. Statt Geflüchtete als Problem oder Sicherheitsrisiko zu behandeln, fordern die unterzeichnenden Organisationen eine Flüchtlingspolitik, die sich konsequent an Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt orientiert.
Kirche und Diakonie sehen Menschenrechte zunehmend unter Druck
„Die öffentliche Debatte verschiebt sich derzeit in eine gefährliche Richtung“, so Weingärtner. „Wenn selbst grundlegende rechtsstaatliche Standards plötzlich als verhandelbar gelten, müssen Kirche, Diakonie und Zivilgesellschaft klar Haltung zeigen.“
Kopp verweist auf die gesellschaftliche Verantwortung von Kirche und Politik: „Eine demokratische Gesellschaft zeigt ihre Stärke nicht darin, wie sie mit den Starken umgeht, sondern darin, wie sie den Schwächsten begegnet. Als Kirche treten wir dafür ein, dass Menschenrechte nicht relativiert werden und Schutzsuchende ihre Rechte tatsächlich wahrnehmen können.“ Die Würde jedes Menschen sei unantastbar – unabhängig von Herkunft, Religion oder Aufenthaltsstatus. Wer Schutz suche, dürfe nicht zuerst auf Misstrauen und Abschottung treffen, sondern müsse auf Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit vertrauen können.
Memorandum fordert sichere Fluchtwege und faire Asylverfahren
Das Memorandum kritisiert unter anderem die europäische Asylrechtsreform, die Inhaftierungen vulnerabler Gruppen sowie Abschiebungen in sogenannte sichere Drittstaaten erleichtere. Zudem beschreiben die Organisationen eine zunehmende Kriminalisierung von Geflüchteten und Unterstützer*innen sowie Gewalt an den europäischen Außengrenzen. Gleichzeitig zeigt das Papier konkrete Alternativen auf: sichere Fluchtwege, faire Asylverfahren, frühzeitige Teilhabe, Zugang zu Bildung und Arbeit sowie eine Stärkung sozialer Rechte.
Aus der Praxis: Integration gelingt, wenn Menschen Perspektiven erhalten
Die Diakonie Bayern verweist dabei auf ihre Erfahrungen aus der täglichen Arbeit mit geflüchteten Menschen. In Beratungsstellen, Unterkünften und sozialen Einrichtungen werde deutlich, wie belastend lange Verfahren, Unsicherheit und fehlende Perspektiven seien. Zugleich zeigten viele Beispiele, dass Integration gelingen könne, wenn Menschen Sicherheit und echte Chancen erhielten.
„Wir erleben jeden Tag, dass Menschen Verantwortung übernehmen, arbeiten, Familien gründen und Teil unserer Gesellschaft werden wollen“, erklärt Weingärtner. „Das gelingt aber nur dort, wo Schutzsuche nicht mit Misstrauen beantwortet wird, sondern mit Orientierung, Stabilität und Respekt.“
Besonders wichtig sei deshalb, dass die Debatte wieder stärker auf gesellschaftlichen Zusammenhalt und praktische Lösungen ausgerichtet werde. Das Memorandum verstehe sich ausdrücklich nicht nur als Kritik an aktuellen Entwicklungen, sondern als konkrete Vision eines menschenwürdigen Flüchtlingsschutzes.
75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention: Auftrag bleibt aktuell
Anlass der Veröffentlichung ist der 75. Jahrestag der Genfer Flüchtlingskonvention. „Viele der Vorschläge, die vor 75 Jahren in die Genfer Flüchtlingskonvention eingeflossen sind, wirken heute fast visionär“, sagt Weingärtner. „Dabei waren Menschenrechte, rechtsstaatliche Verfahren und internationale Verantwortung noch vor wenigen Jahren selbstverständliche Grundlagen politischen
Handelns. Daran müssen wir wieder anknüpfen.“
Landesbischof Kopp ergänzt: „Christlicher Glaube beginnt dort, wo Menschen nicht ausgegrenzt werden. Eine Gesellschaft, die Zusammenhalt stärken will, spielt Schutzsuchende nicht gegeneinander aus, sondern schafft Räume für Begegnung, Teilhabe und
gelingendes Zusammenleben.“
Erarbeitet wurde das Papier über viele Monate hinweg von einer bundesweiten Memorandumsgruppe mit Vertreter*innen der Diakonie Deutschland, von PRO ASYL, der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Paritätischen Gesamtverband, Amnesty International und Handicap International. Die Diakonie Deutschland gehört zu den Herausgeberinnen des Memorandums. Zahlreiche weitere Organisationen
aus Kirche, Wohlfahrtspflege und Zivilgesellschaft unterstützen den Aufruf.
Christine Büttner, Pressesprecherin ELKB
Daniel Wagner, Pressesprecher Diakonie Bayern
„Zwei Jahre Hochwasser in Bayern“
Über 250 Anträge, knapp 700.000 Euro für betroffene Haushalte
Nürnberg/München 01.06.26
Zwei Jahre nach dem verheerenden Hochwasser in Bayern ziehen die Diakonie Bayern, die Diakonie Katastrophenhilfe und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern Bilanz ihrer Hilfen für Betroffene. Insgesamt wurden 267 Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund 684.000 Euro bewilligt. Unterstützt wurden Menschen unter anderem durch Soforthilfen unmittelbar nach der Katastrophe, Härtefallhilfen sowie erweiterte Hilfen für besonders schwer betroffene Haushalte.
Vom 30. Mai bis 3. Juni 2024 waren in Bayern und Baden-Württemberg zunächst ergiebige Dauerniederschläge gefallen, danach regional begrenzte Starkregen. Laut Deutschem Wetterdienst fiel in fünf Tagen teils mehr als ein Monatssoll, stellenweise sogar das Zweieinhalbfache. In Bayern waren vor allem Schwaben, Oberbayern und Niederbayern betroffen; 15 Landkreise und drei kreisfreie Städte riefen den Katastrophenfall aus, mehr als 3.000 Menschen mussten evakuiert werden. Die Hochwasserlage zog sich bis in die zweite Juniwoche, richtete massive Schäden an Wohnhäusern, Betrieben und Infrastruktur an und verursachte allein bei den versicherten Schäden in Bayern Schätzungen von bis zu drei Milliarden Euro.
Unmittelbar nach der Flut hatten die Diakonie Bayern, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern sowie die Diakonie Katastrophenhilfe Soforthilfen organisiert, Bautrockner in die betroffenen Regionen geliefert und zu Spenden aufgerufen. Insgesamt wurden 169 niedrigschwellige Soforthilfen mit einem Umfang von rund 85.000 Euro bewilligt. Hinzu kamen 84 Härtefallhilfen mit insgesamt rund 372.000 Euro. Für besonders schwer betroffene Haushalte wurde später zudem ein erweitertes Hilfsformat eingerichtet. Hier konnten bis zu 25.000 Euro pro Haushalt beantragt werden. Insgesamt wurden dafür bei 14 Anträgen rund 226.000 Euro bewilligt.
„Das Hochwasser ist für viele Menschen auch zwei Jahre später nicht vorbei“, sagt Dr. Sabine Weingärtner, Präsidentin der Diakonie Bayern. „Wer sein Zuhause verloren oder massive Schäden erlebt hat, trägt die Folgen oft noch lange mit sich. Gerade deshalb war es damals wichtig, schnell, unbürokratisch und verlässlich zu helfen – und auch heute noch beim Wiederaufbau zu unterstützen.“
Die Bearbeitung der erweiterten Härtefallhilfen war aufwendig. In vielen Fällen mussten Unterlagen nachgereicht und individuelle Situationen genau geprüft werden. Die letzten Anträge wurden erst in diesem Frühjahr abgeschlossen. Seit Ende 2025 können keine neuen Anträge mehr gestellt werden.
„Die Hilfen zeigen, was möglich ist, wenn Kirche, Diakonie und lokale Stellen eng zusammenarbeiten“, sagt Oberkirchenrat Stefan Blumtritt. „Viele Mitarbeitende vor Ort haben damals weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus unterstützt – oft über Wochen und Monate hinweg.“
Neben finanziellen Hilfen gehe es auch künftig darum, die Katastrophenvorsorge weiter zu stärken. Bereits ein Jahr nach der Flut hatte die Diakonie angekündigt, stärker in regionale Netzwerke, Schulungen und Hilfsstrukturen investieren zu wollen.
Daniel Wagner, Pressesprecher Diakonie Bayern
Nürnberg 01.06.2026
Spendenkonto
Diakonie Bayern
IBAN: DE20 5206 0410 0005 2222 22 | BIC: GENODEF1EK1
Eva Illouz analysiert beim Jahresempfang der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern die emotionale Überforderung der Gegenwart
Warum Menschen mit ihren Gefühlen allein bleiben
Unter dem Titel „Explosive Moderne – Leben in einer gefühlsstarken Zeit“ lud die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) am Dienstagabend zu ihrem Jahresempfang nach Schloss Tutzing ein. Im Mittelpunkt stand der Vortrag und das Gespräch mit der in Paris lebenden Soziologin und Autorin Eva Illouz. Illouz beschrieb moderne Gesellschaften als emotionale Ordnungen, die Gefühle wie Hoffnung, Enttäuschung, Scham oder Angst hervorbringen. Zugleich werden diese aber immer wieder zur Privatsache erklärt.
Illouz widersprach damit der verbreiteten Vorstellung, Gefühle seien individuelle Befindlichkeiten.
Moderne Gesellschaften erzeugen enorme Erwartungen an Selbstverwirklichung, Erfolg und persönliche Freiheit. Wo diese Erwartungen scheitern, entsteht Enttäuschung, Überforderung und Wut. „Gefühle sind nicht nur privat“, sagt Illouz. „Sie entstehen in gesellschaftlichen Verhältnissen.“
Die Soziologin analysierte die Kultur des permanenten Vergleichs. Nicht absolute Ungleichheit erzeuge die stärksten Kränkungen, sondern die dauernde Sichtbarkeit anderer Lebensentwürfe, Erfolge und Möglichkeiten. Moderne Gesellschaften versprächen Freiheit und Aufstieg, machten Menschen zugleich aber ständig vergleichbar. Hoffnung werde dabei zunehmend ökonomisch verwertet – in Arbeitswelt, Konsumkultur und digitalen Sphären. Aus überhöhten Erwartungen entstehe ein „bitterer Optimismus“, der Menschen dauerhaft antreibe und zugleich erschöpfe.
Kopp: Die Würde eines Menschen hängt nicht von Erfolg oder Leistung ab
Landesbischof Christian Kopp griff diese Diagnose in seiner Eröffnung auf. Viele Menschen hätten heute das Gefühl, sich ständig beweisen zu müssen – beruflich, gesellschaftlich und persönlich. Der christliche Glaube widerspreche einer Kultur permanenter Selbstoptimierung. Er erinnere daran, dass die Würde eines Menschen dem Erfolg vorausgehe. „Du musst nicht perfekt sein, um Verantwortung zu übernehmen“, sagte Kopp. Christlicher Glaube rechne mit Brüchen, Konflikten und Scheitern – auch in
Institutionen und Kirchen.
Zugleich betonte Kopp, religiöse Traditionen könnten Gefühlen eine Sprache geben. Angst, Scham, Hoffnung und Trauer müssten nicht verdrängt werden, sondern könnten ausgesprochen werden. Gerade darin liege eine besondere Freiheit: Verantwortung zu übernehmen, ohne ständig dem Anspruch zu folgen, allem und allen gerecht werden zu müssen.
Illouz: Soziale Ungleichheit wird in Demokratien sogar moralisch legitimiert
Im Gespräch mit der Journalistin Livia Gerster (Frankfurter Allgemeine Zeitung) beschrieb Illouz Hoffnung als Grundgefühl der Moderne – auch mit religiösen Wurzeln. Moderne Gesellschaften lebten von der Vorstellung, dass Menschen ihr Leben verbessern könnten. Zugleich werde Hoffnung politisch und wirtschaftlich instrumentalisiert. Die Folge sei eine Gesellschaft, die Menschen fortwährend Erwartungen aussetze, ohne Sicherheit oder Erfüllung garantieren zu können.
Blume: Offene Gesellschaft braucht Vertrauen und Orientierung
Der Bayerische Staatsminister Markus Blume griff in seinem Grußwort zentrale Gedanken des Abends auf. In einer „explosiven Moderne“ erlebten viele Menschen einerseits so viele Freiheits- und Wohlstandsmöglichkeiten wie nie zuvor, zugleich aber auch Überforderung, Unsicherheit und den Verlust klassischer Aufstiegsversprechen. Gerade deshalb brauche es neue Formen gesellschaftlicher Teilhabe und Vertrauen in demokratische Institutionen. Blume warnte zudem vor digitalen Echokammern und einer zunehmenden Zersplitterung des öffentlichen Raums. Entscheidend seien echte Begegnung, gute Kommunikation und das gemeinsame Ringen um gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die offene Gesellschaft, die liberale Demokratie und die soziale Marktwirtschaft blieben dafür unverzichtbare Grundlagen.
„Eine freie Gesellschaft lebt nicht von Empörung und Zuspitzung, sondern von Vertrauen, Orientierung und der Fähigkeit, Spannungen auszuhalten. Vieles scheint heute gleichzeitig zu explodieren: unsere technischen Möglichkeiten, die gesellschaftliche Komplexität und die Kraft von Emotionen im öffentlichen Raum. Wer Freiheit und Offenheit zurückbauen will, gibt keine Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit. Gerade in Zeiten algorithmischer Echokammern brauchen wir Orte echter Kommunikation und des offenen Dialogs. Mit ihrem Jahresempfang in der Akademie Tutzing setzt die ELKB dafür ein starkes Zeichen“, sagte Blume.
Der Jahresempfang der ELKB fragte damit nach den emotionalen Bedingungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Deutlich wurde: Demokratien geraten nicht nur durch Krisen und Konflikte unter Druck, sondern auch durch Gefühle von Überforderung, Enttäuschung und sozialer Erschöpfung.
Tutzing, 13. Mai 2026
Christine Büttner, Pressesprecherin
Landesbischof Kopp betont nach Ostafrika-Reise die Bedeutung globaler Verantwortung, humanitärer Hilfe und weltweiter Partnerschaften
„Nur Gerechtigkeit schafft Frieden”
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern pflegt seit Jahrzehnten enge Partnerschaften mit lutherischen Kirchen weltweit. Landesbischof Christian Kopp und eine Delegation von Mission EineWelt, dem Zentrum für internationale Partnerschaftsarbeit der ELKB, besuchten im Mai 2026 die beiden lutherischen Partnerkirchen in Kenia und Tansania. Besonders die Begegnungen mit engagierten Menschen, die unter herausfordernden Bedingungen soziale, medizinische und kirchliche Arbeit leisten, prägten die Reise nachhaltig.
„Es ist beeindruckend zu sehen, wie in beiden Ländern ohne jegliche finanzielle Unterstützung durch den Staat christliche Unterstützungs- und Bildungsarbeit theologisch fundiert, zugewandt und professionell organisiert wird“, bemerkt die Direktorin von Mission EineWelt, Dr. Gabriele Hoerschelmann.
Die Evangelische Lutherische Kirche in Tansania ist mit über 8,5 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte lutherische Kirche weltweit. Während der Reise traf der Landesbischof Kirchenleitende, Mitarbeitende sozialer Projekte, Menschen, die Krankenhäuser betreiben und in ländlichen Gebieten tausende Menschen versorgen, sowie Freiwillige und Hauptamtliche aus Bayern, die die Arbeit vor Ort unterstützen. Zwischen den lutherischen Kirchen in Bayern, Kenia und Tansania besteht seit vielen Jahren ein sehr enger Austausch, unter anderem durch rund 60 bilaterale Partnerschaften zwischen Gemeinden. Die Reise war geprägt von großer Gastfreundschaft und Warmherzigkeit.
Partnerschaften gemeinsam weiterentwickeln
Ein Höhepunkt der Reise war die Konsultation aller afrikanischen Partnerkirchen in Dar es Salaam, Tansania. Daran beteiligten sich die Bischöfe der Partnerkirchen aus Kenia, der Demokratischen Republik Kongo, Liberia, Mosambik und Tansania sowie Catherine Ngina, die neu gewählte kenianische Bischöfin, die am Pfingstsonntag offiziell in ihr Amt eingeführt und damit als erste Frau Oberhaupt einer ostafrikanischen lutherischen Kirche sein wird.
Im Mittelpunkt der zweitägigen theologischen Konsultation stand die Frage, in welche Richtung sich die Partnerschaften künftig entwickeln werden. Als zentrale Aspekte für ein konstruktives Miteinander wurden gutes Zuhören und das Teilen von Erfahrungen und Wissen herausgearbeitet. Zudem diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam Wege zur Verbindung und Verständigung von Christinnen und Christen sowie aller Menschen weltweit.
Humanitäre Herausforderungen wachsen
Nach Kenia fliehen Menschen aus benachbarten Ländern vor Krieg oder den Folgen des Klimawandels.
Große Flüchtlingslager, zum Beispiel im Norden in Kakuma, werden unter anderem vom Weltdienst des Lutherischen Weltbundes unterstützt.
Bei Gesprächen in Nairobi wurde deutlich, wie sehr in den großen geschützten Lagern für Geflüchtete in Kenia die Kürzung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit durch die US-Regierung und viele andere Regierungen zu enormen humanitären Problemen führt. Nach Angaben der OECD sind die weltweiten Entwicklungsgelder der Industrieländer im vergangenen Jahr um 23,1 Prozent auf 174,3 Milliarden US-Dollar gesunken. Das habe enorme Auswirkungen auf die weltweite Gerechtigkeit und auf notwendige Ausgleichsprozesse, so Landesbischof Kopp. Die großen deutschen Hilfsorganisationen, wie zum Beispiel Brot für die Welt, weisen ebenso wie evangelische und katholische Kirche seit langem auf die Bedeutung dieser Hilfe hin.
„Nur Gerechtigkeit schafft Frieden. Gerade angesichts wachsender humanitärer Krisen braucht es weiterhin weltweite gegenseitige Unterstützung - finanziell, personell und durch starke Partnerschaften. Die reichen Industrieländer tragen hier besondere Verantwortung, auch die deutsche Bundesregierung”, betont Christian Kopp.
München, 11. Mai 2026
Christine Büttner, Pressesprecherin
Von Wohnraum bis Sozialnutzung: Individuelle Konzepte für kirchliche Immobilien
Neue Beratungsgesellschaft equadra GmbH unterstützt Kirchengemeinden bei Entwicklung und strategischen Entscheidungen
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) baut ihre Unterstützung für Kirchengemeinden im Umgang mit Immobilien aus: Mit der equadra GmbH bekommen Kirchengemeinden eine zentrale Anlaufstelle für die Entwicklung, Umnutzung oder Veräußerung ihrer Gebäude.
„Die Gründung von equadra ist ein weiterer Schritt, mit dem wir uns für die Zukunft aufstellen. Erklärtes Ziel ist es, die (Gesamt-)Kirchengemeinden langfristig, kompetent und nachhaltig bei der nötigen Transformation ihrer Immobilien zu unterstützen“, betont Oberkirchenrat Florian Baier. Dabei versteht sich das Kompetenzzentrum zur Transformation kirchlicher Immobilien als Partner der Kirchengemeinden, so Oliver Rose, designierter Geschäftsführer der equadra GmbH: „Uns ist es sehr wichtig, diesen besonderen Immobilien gerecht zu werden, die Menschen mit einzubeziehen und die beste Lösung für die Kirchengemeinden zu entwickeln.“
Vielfältige Nutzungsoptionen
Equadra setzt bewusst auf ergebnisoffene Beratung: Für jede Immobilie wird individuell geprüft, welche Entwicklungsperspektive sinnvoll ist. Dabei geht es nicht um Standardlösungen, sondern um passgenaue Kombinationen unterschiedlicher Maßnahmen.
Konkrete Möglichkeiten reichen von der Schaffung von Wohnraum – etwa barrierefreien oder geförderten Wohnungen – über soziale Nutzungen wie Tagespflege, Kitas oder integrative Einrichtungen bis hin zu gemeinschaftlich genutzten Räumen für Bildung, Kultur und kirchliche Angebote. Ebenso können neue Nutzungskonzepte mit wirtschaftlichen Komponenten verbunden werden, etwa wenn Erträge aus Wohn- oder Gewerbenutzungen zur Finanzierung kirchlicher Angebote beitragen.
Auch Kombinationen sind möglich: Teile eines Grundstücks können entwickelt oder veräußert werden, während andere Flächen weiterhin kirchlich genutzt werden. Bestehende Gebäude können energetisch saniert, umgebaut oder durch neue Nutzungen ergänzt werden.
Begleitung im gesamten Prozess
Das Angebot reicht von der Analyse und Zielfindung über die Entwicklung tragfähiger Konzepte bis zur Umsetzung. Bei Bedarf organisiert equadra ergänzende Leistungen wie Machbarkeitsstudien oder Beteiligungsverfahren und übernimmt auch Aufgaben in der Projektsteuerung. Als Schnittstelle bringt das Unternehmen kirchliche Eigentümer, Investoren und Projektentwickler zusammen und strukturiert die Zusammenarbeit.
Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen
Viele kirchliche Gebäude werden nicht mehr vollständig genutzt oder können langfristig nicht im bisherigen Umfang erhalten werden. Gleichzeitig binden Fragen rund um Sanierung und Nutzung erhebliche Ressourcen in den Gemeinden. equadra unterstützt dabei, Optionen zu klären, Entscheidungen vorzubereiten und Prozesse zu bündeln. Maßstab bleibt der kirchliche Auftrag vor Ort sowie die konkrete Situation der jeweiligen Immobilie.
Gemeinsame Gesellschaft von ELKB und ESW
Equadra ist eine gemeinsame Unternehmung der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und des Evangelisches Siedlungswerk (ESW). „Gemeinsam mit der ELKB verfolgen wir das Ziel, die Transformation der vielfältigen kirchlichen Immobilien in Bayern positiv voranzubringen. Mit unserer Expertise ermöglichen wir eine wirtschaftliche, baukulturelle und bedarfsorientierte Betrachtung“, erklären Gerda Peter und Michael Soukup, Geschäftsführung des ESW.
Weitere Informationen und Transformationsbeispiele finden Sie unter www.equadra.de.
München, 21. April 2026
Christine Büttner, Pressesprecherin
„Unser starkes Kreuz“ erreicht breite Öffentlichkeit zur Kommunalwahl
Für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) war die Kampagne „Unser starkes Kreuz für Demokratie“ ein Erfolg. Viele Gemeinden und Dekanate haben von Anfang Januar bis Ende März im Vorfeld der Kommunalwahl in ganz Bayern analog und online wirksam für demokratische Werte Stellung bezogen. „Die Kampagne zeigt, dass Kirche einen eigenständigen Beitrag zum demokratischen Diskurs leisten kann, indem sie christliche Werte wie den Schutz der Menschenwürde sichtbar und wirksam in gesellschaftliche Debatten einbringt“, betont Landesbischof Christian Kopp.
Über 1 Mio. erreichte Social-Media Konten Eine gezielte Social-Media Kampagne mit Informationen über die Bedeutung der Kommunalwahl und dem Impuls, selbst wählen zu gehen, erreichte über eine Million Social Media Konten in Bayern. Die Beiträge auf Meta, Google und TikTok erreichten über 7 Mio. Impressionen und trugen maßgeblich zur Sichtbarkeit der Kampagne bei.
Rund 20.000 Seitenansichten und hohe Verweildauer auf der Website
Die digitalen Kennzahlen unterstreichen die Reichweite der Kampagne: Rund 20.000 Seitenansichten auf www.unser-starkes-kreuz.de, eine durchschnittliche Verweildauer von fast sechs Minuten sowie über 1.000 Downloads zeigen ein starkes Interesse und eine intensive Nutzung auch der Website-Inhalte.
Rund 770 Beteiligungen bei der Aktion „Gesicht zeigen“
Zentrale Aufmerksamkeit erhielt die Aktion „Gesicht zeigen“ mit insgesamt 767 veröffentlichten Visuals. Dabei wurde konsequent auf eine klare demokratische Haltung geachtet. Beiträge mit extremistischen oder parteipolitisch werbenden Inhalten wurden ausgeschlossen. Gleichzeitig beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter aller großen demokratischen Parteien. Die Kampagne wurde von über 30 Kooperationspartnern getragen.
Gezielte Unterstützung durch den „Love Storm“
Ein besonders sichtbares Element war der „Love Storm“ der Evangelischen Jugend Bayern (EJB), der in mehreren Einsätzen Kandidierende verschiedener demokratischer Parteien – unter anderem aus Coburg, Bad Endorf, Aschaffenburg, Dinkelsbühl und Nürnberg – gegen Hass und Hetze im Netz unterstützte. Die Rückmeldungen der Betroffenen waren durchweg positiv. Auch die unterstützenden Jugendlichen bewerteten die Aktion als sehr gewinnbringend. In Schulungen wurden sie vorab auf den Umgang mit Hetze im Netz gut vorbereitet. Ramona, die selbst am Love Storm teilgenommen hat, beschreibt ihre Erfahrung so: „Ich finde es sehr herausfordernd, beim Lovestorm dabei zu sein, weil es nochmal etwas ganz anderes ist, sich aktiv gegen Hass zu stellen und all die Kommentare zu lesen. Gleichzeitig motiviert mich total, dass wir das zusammen machen und sich auch andere dem gleichen Problem stellen und aktiv werden. Das gibt mir viel Hoffnung für ein besseres und couragierteres digitales Miteinander.“
Das Angebot von Seelsorge für politisch Aktive wird über die Dauer der Kampagne hinaus weitergeführt: https://unser-starkes-kreuz.de/fuer-aktive-der-politik/beistand-von-see…
Alle Materialien vollständig abgerufen und bayernweit eingesetzt
Die vorbereiteten Materialien wurden vollständig abgerufen und bayernweit eingesetzt: 60 kleine und 40 große Banner, 40 Fahnen sowie 15.000 Flyer und 7.500 Bierdeckel. Viele Gemeinden beteiligten sich darüber hinaus mit eigenen Beiträgen, die teils auf der Kampagnenseite dokumentiert sind. https://unser-starkes-kreuz.de/vor-ort
Etwa täglich Veranstaltungen in Bayern
Über den gesamten Zeitraum hinweg fand in den Gemeinden der ELKB in ganz Bayern und online etwa täglich eine Demokratie-Veranstaltung statt. Zudem gingen zahlreiche Veranstaltungshinweise von Kooperationspartnern ein. Die Übersicht der Termine in Bayern mit dem #demokratie bleibt derzeit online verfügbar. https://unser-starkes-kreuz.de/veranstaltungen-ganz-bayern
Flächendeckend, überparteilich und mit Perspektive
Für Martin Becher, Leiter der Fachstelle Demokratie und gesellschaftliches Miteinander (ELKB), liegt der Erfolg vor allem in der Verbindung von klarer Haltung und breiter Anschlussfähigkeit. Die Kampagne sei flächendeckend, analog und digital präsent gewesen, überparteilich und zugleich eindeutig und habe Kirche, Politik und Öffentlichkeit gleichermaßen erreicht. „Für alle Anlässe, für verschiedene Zielgruppen und für unterschiedliche kirchliche Organisationen war etwas dabei“, so Becher. Deshalb werde die Kampagne bleiben, weitergeführt und bei künftigen Anlässen weiterentwickelt, erklärt Becher: „Mit uns können Sie rechnen. Und manche müssen mit uns rechnen.“
31.03.2026
München, Christine Büttner, Pressesprecherin
Die Aufgabe von Pfarrer Zeeb ist, kirchliche Perspektiven in gesellschaftliche und politische Diskurse einzubringen und zugleich Ansprechpartner für Menschen im politischen Umfeld zu sein.
Landesbischof Christian Kopp erklärt, Tobias Zeeb vertrete christliche Überzeugungen wach, reflektiert und mit hohem Verantwortungsbewusstsein. In Zeiten zunehmender Polarisierung brauche es Stimmen, die unterschiedliche Perspektiven ins Gespräch bringen und Haltung geben. Kopp betont: „Tobias Zeeb artikuliert ethische Fragen klar und bringt die Positionen der Kirche profiliert in öffentliche und politische Debatten ein. Ich bin überzeugt, dass er damit wichtige Impulse für den Dialog zwischen Kirche, Politik und Gesellschaft setzt.“
Das Zeichen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB)
Das Zeichen – bzw. die „Bildmarke“ – der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist bewusst offen konstruiert: Es zeichnet nicht das Kreuz selbst, sondern das Kreuz entsteht im Betrachten, es zeigt sich, es lässt sich erkennen. Das Zeichen der ELKB ergibt sich daraus, dass unterschiedliche Farbflächen zusammentreten – und in der Verbindung dazwischen zeigt sich dann das Kreuz Christi.
Es ist damit ein schönes Symbol für Kirche: Wir färben mit unseren unterschiedlichen Farbtönen die Umgebung des Kreuzes – und das Kreuz ist das, was uns verbindet. Wir „machen“ nicht das Kreuz, sondern das Kreuz macht uns. Es macht uns zur Kirche.
Das ELKB-Zeichen hat zum Ziel, die Verbundenheit und Gesamtheit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern deutlich werden zu lassen.
