14.11.-30.11.2023 | Gerhard Braun „Zeitweise Nebel“
GERHARD BRAUN
- 1984 –1989 Studium Kommunikationsdesign in Nürnberg
- seit 1994 Braun Engels Gestaltung
- Erarbeitung visueller Konzepte
- Ausstellungsgestaltung
- Kommunikation im Raum
- Möbeldesign
- Zahlreiche Wettbewerbsgewinne
Fotografie: Ausstellungen/Ausstellungsbeteiligungen
- 1994 galerie akzente, Memmingen
- 2000 Triennale Ulmer Kunst
- 2003 Triennale Ulmer Kunst
- 2002 fotogalerie am zeughaus ulm
- 2006 fotogalerie am zeughaus ulm
- 2007 galerie riedmiller, Bad Grönenbach-Thal
- 2007 werkraum ulm
- 2012 Triennale Ulmer Kunst
- 2018 Triennale Ulmer Kunst
- 2022 natürlich Natur, Kunstverein Ulm (Ausstellungsbeteiligung)
- 2023 Ort und Zeichen, BBK Künstlerhaus Ulm
- 2023 Triennale Ulmer Kunst
Parallel zu seiner Tätigkeit als Gestalter beschäftigt sich Gerhard Braun mit Fotografie.
Zwischen 2010 und 2018 lag der Fokus auf architektonischen und städtebaulichen Gegebenheiten im Spannungsfeld zwischen zweiter und dritter Dimension. Seit etwa 2021 entstehen Fotografien, die sich grundlegend von den bis dato realisierten Bildkonzepten unterscheiden und eine alternative Herangehensweise erfordern. Während viele seiner bisherigen Arbeiten durch Zeitlosigkeit bzw. 'Überzeitlichkeit’ gekennzeichnet sind, steht nun der Aktualitätsgedanke im Vordergrund. Zu nennen sind Fotoarbeiten über die gesellschaftlichen Auswirkungen von ungebremstem Wachstum, oder die sich, wie im vorliegenden Fall, mit politischen bzw. gesellschaftlichen Verwerfungen befassen.
Die Situation
Schon vor einigen Wochen machten wir uns Gedanken darüber, wie man das Thema Erinnern und Gedenken über Fotografie/Kunst o.ä. vermitteln kann. Die Idee war, ein ganz konkretes, heutiges Ereignis zum Anlass zu nehmen. Da schien der zu bayerischen Wahlkampfzeiten aufkommende Skandal um ein antisemitisches Flugblatt nahe liegend. Mittlerweile haben größere Ereignisse diese Vorkommnisse in der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt. Der Krieg in Nahost mit ungeheuren Gewaltexzessen gegen Jüdinnen und Juden sowie weltweite antijüdischer Aktionen und Ausbrüche bestimmen die tagesaktuellen Nachrichten. Ein über einen langen Zeitraum vorhandener latenter Antisemitismus tritt auf vielen Ebenen zutage. Die Erinnerung an die deutsche Geschichte und die besondere Verantwortung unserer Gesellschaft wird daher umso drängender.
Gedanken zur Ausstellung
Um die Bilder einordnen zu können, ist es hilfreich sie als „fotografische Illustrationen” zu verstehen. Sie beschäftigen sich mit einem jugendlichen Fehltritt in Form eines antisemitischen Textes, der nach Jahren die damit Befassten einholt und die politische Karriere gefährdet, sowie das in der Öffentlichkeit vermittelte Bild eines rechtschaffenen Volksvertreters ankratzt. Die Fotografien verdeutlichen die Versuche der Relativierung des Vorfalls, das Ablehnen und Weiterreichen von Verantwortung, die Selbststilisierung als “Opfer” einer Intrige, mangelnde Einsicht in die Schwere und Bedeutung der Aussagen eines “Pamphlets”, das Vorschieben von Erinnerungslücken.
Ganz generell stellt sich die Frage, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, sich der Vergangenheit zu stellen und die richtigen Fragestellungen daraus abzuleiten. Aus der Geschichte Folgerungen, Schlüsse zu ziehen und gleichzeitig Handlungsperspektiven zu entwickeln. Die fotografische Serie illustriert das Spannungsfeld zwischen individueller Verantwortung (was die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für das eigene, individuelle Handeln miteinschließt) und der Fähigkeit einer Gesellschaft, Erinnerung kollektiv wach zu halten und immer wieder zu erneuern.
Die Bilderserie endet mit einem Zitat von Eugen Kogon:
„Geschichte ist das Arsenal unserer Erfahrungen; man muss sie kennen, um aus ihr bestätigt oder gewarnt zu werden.”
Ergänzt werden könnte das Zitat von Kogon durch ein weiteres Zitat von Norbert Elias:
„Die ‚Umstände', die sich ändern, sind nichts, was gleichsam von ‚außen' an den Menschen herankommt; die ‚Umstände', die sich ändern, sind die Beziehungen zwischen den Menschen selbst. Der Mensch ist ein außerordentlich modellierbares und variables Wesen.”
