Glocken
Orgel
Begrüßung und Hinführung
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Der Herr sei mit euch. Und mit Deinem Geist.
1.Nun lasst uns gehen und treten mit Singen und Mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben.
2.Wir gehen dahin und wandern von einem Jahr zum anderen, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen. (EG 58)
Pantomime Jean-Marie Bottequin
Dreihundertfünfundsechzig Tage,
Ein jeder Tag mit seiner Plage,
Ein jeder Tag mit seinem Glück,
Sind um, und kehren nicht zurück.
Dreihundertfünfundsechzig Tage,
Mit ihrer Lust, mit ihrer Plage,
Sie gingen wie sie Gott gelenkt;
Wir nahmen, was sie uns geschenkt.
Dreihundertfünfundsechzig Tage,
Mit neuer Lust und neuer Plage,
Sie melden sich und treten ein;
Sie sollen uns willkommen seyn.
(Friedrich Rückert)
In diesem Gottesdienst gibt es zwei Besonderheiten. Wir führen gewissermaßen das neue Gesangbuch ein. Auch unsere Gemeinde ist Erprobungsgemeinde für das neue Gesangbuch. Ich hoffe sie alle haben ein Erprobungsheft in der Hand. Ich bitte Sie auch zu zweit hineinzuschauen. Da wir nur eine begrenzte Anzahl an Exemplaren davon haben. Und zum anderen haben wir heute Jean-Marie Bottequin zu Gast. Der als Pantomime, diesen Gottesdienst ergänzen wird. Gleich jetzt am Anfang und ganz zum Schluss.
Wir wissen nicht was auf uns zukommt.
Wir hoffen, dass es gut wird.
Wie gut, dass es wiederkehrende Sachen gibt.
Lied 65.1-3 Alle Jahre wieder
Der Mensch vor Gott
Dein ist das Jahr, dein ist die Zeit.
Dein, Gott, ist alle Ewigkeit.
Dein ist die Welt, auch wir sind dein;
Kann keins hier eines anderen sein.
Dein ist der Tag und dein die Nacht.
Dein, was versäumt, ein, was vollbracht.
So gehen wir, Gott aus dem, was war,
Getrost hinein ins neue Jahr,
Ins Jahr, dem du dich neu verheißt,
Gott Vater, Sohn und Heil’ger Geist. Amen (Arno Pötzsch)
Lied 70.1-3 Hört der Engel helle Lieder Les anges dans nos campagnes
Gebet
Jesus Christus,
in deinem Namen beginnen wir dies neue Jahr. Wir nehmen aus deiner Hand, was uns an Freude und Leid begegnet. Lass es ein Gnadenjahr werden, in dem wir von deiner Güte leben und deine Liebe weitertragen. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen
Pantomine zum Licht
Wieder strahlt mir das Licht.
Wieder schaue ich das Licht in Klarheit.
Wieder eröffnet es den Himmel,
wieder vertreibt es die Nacht.
Und der über allen Himmeln ist,
den keiner der Menschen je erblickte,
der kehrt aufs Neue in meinen Geist ein,
ohne den Himmel zu verlassen,
ohne die Nacht zu zerteilen,
ohne das Dach des Hauses zu versehren,
ohne irgendwas zu durchdringen.
Und in der Mitte meines Herzens,
o erhabenes Geheimnis,
da alles bleibt, wie es ist,
stürzt mir das Licht
und hebt mich über alles empor.
(Symeon der neue Theologe, um 1000 nach Christus)
Lied 64.1-5 Freu dich Erd und Sternenzelt
Lesung Offenbarung 21.1-5
Ansprache
„Siehe, ich mache alles neu“, lautet die neue Jahreslosung.
Die meisten von ihnen haben diese Satz aus dem vorletzten Kapitel der Bibel schon oft gehört: zu Kirchweihfesten oder am Ewigkeitssonntag. Von einem neuen Himmel und einer neuen Erde ist da die Rede. Mit dem Bisherigen ist wohl kein Staat mehr zu machen. Etwas ganz Neues, ganz Anderes muss her. Etwas mit völlig neuen Bedingungen, aus gänzlich anders gearteter Materie.
In Russland gab es vor über 30 Jahren mir Glasnost und Perestroika solch einen Aufbruch. Glasnost steht dabei für Offenheit und Perestroika für Umgestaltung. Das hat dann auch tatsächlich stattgefunden für kurze Zeit und hat auch zur Wiedervereinigung geführt. Der Aufstand auf dem Tian’anmen Platz in Peking 1989 wurde jedoch schon brachial niedergeschlagen und die Demokratiebewegung zerschlagen. Doch zurück zum Text.
Die Bilder sind uns vertraut: die heilige Stadt, das neue Jerusalem, kommt aus dem Himmel herab. Die Stimme, die vom Thron erschallt. Kein Tod mehr, keine Trauer, keine Klage oder Mühsal. Tränen werden abgewischt. Wie sehr wünschen wir uns das in der aktuellen Weltlage. Kein Krieg mehr in der Ukraine oder anderswo z.B, auf dem afrikanischen Kontinent. Keine Bilder von Leid und Zerstörung mehr in den Medien. Diskussionen über Waffenlieferungen erübrigen sich, weil niemand mehr Waffen benötigt. Und die Sorge um die Erderwärmung könnten wir auch ablegen.
Zu schön, um wahr zu sein? Plötzlich spricht der, der auf dem Thron sitzt: „Seht, ich mache alles neu.“ Also doch? Überhaupt – wer ist das da auf dem Thron? Auf Plakaten und Postkarten zur Jahreslosung steht: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“
„Siehe, ich mache alles neu.“ Das könnten wir gebrauchen. Manchmal gibt es Momente, da scheint es zum Greifen nahe. Da wirkt es, als ginge es gerade los mit dem „alles neu“. Da spüren wir die Aufbruchstimmung. Und manchmal erinnern wir uns später nur noch wehmütig an jene Aufbruchsstimmungen. Denken Sie zurück an die Wendezeit. Da gab es in unserem Land diesen Aufbruch in Ost und West. Und was kam dann? Die große Ernüchterung. Denken Sie an den arabischen Frühling? Es folgten der Sturz des Diktators Gadaffi und ein Bürgerkrieg im Land. Jüngst erst wurde Syrien von Baschar-al Assad befreit. Es folgte die Machtergreifung der Rebellen und Al-Scharaa wurde zum Übergangspräsidenten ernannt. In Afghanistan kamen nach dem Abzug der Amerikaner die Taliban wieder an die Macht, mit verheerenden Folgen für das Land und ganz besonders die Mädchen und Frauen in dem Land.
Wahrscheinlich brauchen wir es dringend, dass Gott Vater Sohn und Heiliger Geist alles neu macht. Gebe Gott, dass wir ihm dabei nicht im Wege stehen! Wahrscheinlich ist das nicht und dennoch ist die Annahme, dass Gott eingreift eine zutiefst menschliche Hoffnung. Vom Blick auf die Welt wende ich nun meinen Blick auf die Kirche. Wir hören auf Worte von Jörg Zink.
Ich träume von einer Kirche,
die keinen Turm hat und keinen Turm braucht.
Denn niemand braucht nach oben zu weisen.
Das Licht des Himmels ist in allen Augen sichtbar.
Ich träume von einer Kirche, die keine Türen hat und schon gar keine Schlösser an ihren Türen.
In die wir hineingehen können oder hinaus, in voller Freiheit, weil das Innen und das Außen eins sind.
Ich träume von einer Kirche, deren Wände sich auflösen und sich verlieren, so, dass das Licht von allen Seiten eindringt, von einer Kirche, in der Freiheit ist, die sich selbst ihrer Grenzen und Wände nicht wichtig findet, die ihr Dach und ihre Wände und Pfeiler dem Glanz des Himmels zum Opfer bringt.
Ich träume von einer Kirche, die durchscheinend wie Glas ist. Oder noch mehr: von einer Kirche, die so offen und so frei ist wie die Welt selbst.
Denn Kirche ist doch wohl nicht eine Institution innerhalb der Welt. Sie ist vielmehr die Welt selbst, so weit in ihr das Wort von Christus ergeht.
Mit diesem Traum wünsche ich Euch und Ihnen alles Gute zum neuen Jahr 2026. Beteiligen wird uns daran, dass es einen gutes Jahr wird und ein Jahr des Herrn.
Enden möchte ich mit dem Zitat eines Liedes von Paul Gerhard, mit dem ich den Gottesdienst auch begonnen habe:
7. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden.
13. Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen.
14. Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe.
15. Das alles wollst du geben, o meines Lebens leben, mir und der Christen Schare zum sel’gen neuen Jahre. (EG 58)
Anno Domini 2026.
Amen
Lied 76.1-3 Du suchst mich, Gott Abkündigungen
Fürbitten
Glück und Segen auf unseren Wegen,
Frieden in unseren Häusern jahrein, jahraus.
In unseren gesunden und kranken Tagen
genug Kraft, Pflichten und Schmerzen zu tragen.
Stets im Kasten ein Stückchen Brot,
das schenk du uns, guter Gott.
Wir wollen glauben an ein gutes Jahr,
das du uns gibst neu, unberührt,
voll nie gewesener Dinge,
frei von den gestrigen Lasten und Sorgen,
voll nie getaner Arbeit, voll schöner
Aufgaben, Anspruch und Zumutung,
dass wir Salz werden und Licht der Welt.
Wir bitten dich, dass wir das neue Jahr nehmen,
ohne viel fallen zu lassen von dem,
was es an guten Gelegenheiten zu bieten hat,
was du uns auf den Weg legst.
Wir wollen glauben an ein gutes Jahr,
in dem du uns deinen Segen schenkst
und wir zum Segen werden für andere.
Glück und Segen auf allen Wegen,
Frieden in dieser Welt jahrein, jahraus.
Unseren Nächsten in gesunden und kranken Tagen
genug Kraft, ihre Pflichten und Schmerzen zu tragen.
Stets im Kasten ein Stückchen Brot,
das schenk du allen Menschen, guter Gott. Amen.
Möglichkeit zum persönlichen Segen
Sie haben nun die Möglichkeit sich segnen zu lassen.
Es wird dazu verschiedene Stationen geben.
Nennen Sie wenn Sie möchten Ihren Namen und auch ihr Anliegen für das sie gesegnet werden wollen.
Musik
Segen Jean-Marie Bottequin
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen. Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen. Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist. Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen. Der Herr sei über dir, um dich zu segnen. So segne dich der gütige Gott.
Lied 341.1+5 Mögen Engel dich begleiten
