11.02.-05.03.2023 | Dietmar Herzog Lichtinstallation „Wann ist Jetzt ?“
- Kunsterlebnis: Vernissage am 10.02.2023
DIETMAR HERZOG
Biographie
- in Reutlingen geboren
- 1976-1981 Studium der Geodäsie
- 1987-1994 Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
- 1993-1994 Meisterschüler bei Prof. Schoofs
- seit 1994 freischaffender Künstler
- seit 1989 kontinuierliche Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland
- seit 1996 Realisierung von Großinstallationen im öffentlichen Raum
seit 2008 Messebeteiligungen - seit 2015 freischaffender Literat und Buchautor
- seit 2016 Mitglied des BBK und der Ulmer Autoren
- seit 2005 Atelier und Wohnort in Ulm und Neu-Ulm
Ausstellungen (Auswahl ab 1996)
- 2020 Galerie kunstpool, Ulm
- 2019 Museum für bildende Kunst, Oberfahlheim
- 2018 Triennale Ulmer Kunst, Museum Ulm
- 2017 Haus der Donau, Ulm
- 2016 QQArt-Galerie, Hilden
- 2015 Galerie im Science Park, Ulm
- 2014 Druckhaus Waiblingen
- 2013 Galerie Bagnato, Konstanz
- 2012 SMUDAJESCHEK Galerie - Galerie Südwestpresse, Ulm
- 2011 Kunstverein Stuttgart
- 2010 „Schritt für Schritt von Wort zu Wort“, Georgskirche, Ulm
- 2008 „Der Tisch ist gedeckt“, Hällisch-Fränkisches Museum, Schwäbisch Hall
- 2007 Villa Merkel, Esslingen
- 2006 Atlas Sztuki Galerie, Lodz, Polen
- 2005 Museum für bildende Kunst Oberfahlheim, Neu-Ulm
- 2002 Skulpturenmuseum Heilbronn
- 1999 Galerie Pelikan, Szekesfehervar, Ungarn
- 1998 „Tor/Durchgang“, Hauptbahnhof Stuttgart
- 1996 Galerie Timm Gierig, Frankfurt
Anerkennungen
- 2018 Kunstpreis, Kunstverein Neu-Ulm
- 2015 „Artist In Residence“, Biennale Sindelfingen
- 2008 Kunstpreis Villa Mohr, München
- 2008 „rest and residence“, Lindlar
- 2006/2007 Stipendium pro arte - Kunststiftung, Ulm
- 2003 Kunstpreis der Stadt Augsburg, (Hommage an Friedrich Schiller)
- 2000 „Artist In Residence“, Bethlehem, USA
- 1998 „Artist In Residence“ Szekesfehervar, Ungarn
Ankäufe
- Land Ba.-Wü., Staatsgalerie Stuttgart, div. Museen und Banken,
- öffentliche und private Sammlungen
Publikationen
- „you see what you know“, RV-Verlag Ulm, 2007
- „Die Installationen”, 2010,
- „Die Zeit vielleicht”, Gerhard Hess Verlag, 2011
- „Eine literarische Reise entlang der Donau“, Ulrich Klemm Verlag, 2014
- „Königin Donau und ihre Kinder“, nexx-Verlag, 2020
- „Stadt-Land-Fluss“, die 26 längsten Zuflüsse der Deutschen Donau, 2020
- div. Beteiligungen in Anthologien und Katalogbeteiligungen
Bild: Kümmritz
10.02.2023 - Vernissage zur Ausstellung „Wann ist jetzt?“
Seit dem 10.02.2023 leuchtet jeden Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr die Lichtinstallation des Künstlers Dietmar Herzog. Die Ausstellung selbst kann bis zum 5. März 2023 den ganzen Tag über besichtigt werden.
Die Vernissage umrahmten Gisela Czech-Whitson (Violine) und Joseph Kelemen (Orgel) musikalisch.
Gekürzter Text zur Vernissage
Allgemeines Statement zur Installation
Die Arbeit, die ich hier in der Petruskirche präsentiere, ist ein typisches Beispiel meiner künstlerischen Vorgehensweise: Einen kurzen Prosatext, der sich mit der Symbolik frisch gefallenen Schnees beschäftigt, hatte ich vor mehreren Jahren zu einem 19-zeiligen Langgedicht komprimiert.
Nochmals komprimiert entstand das 7-zeilige Gedicht der Installation, die Sie hier in der Petruskirche sehen können.
Um die Entstehung einer solchen Arbeit für den Betrachter transparent zu halten, zeige ich die im Original erfolgten Korrekturen und Unterstreichungen. Sie sind immer auch Wertungen im entsprechenden Text.
Durch das Aussägen der Begriffe, dem Abstand des Objektes zur Wand und dem integrierten Licht wird eine Räumlichkeit erzeugt, die bildhauerische Qualitäten zeigt und sich bewusst von der traditionellen Malerei befreit.
Gedicht
Erster Schnee hält die Zeit an
Ausradiertes Land überall
Sehnsüchte des Unberührten
Wann ist Jetzt?
Kalter Tod dem Gewesenen
Neue Chance für Form und Farbe
Zarter Schleier des Kommenden
Erster Schnee hält die Zeit an – erster Schnee – weiß, wie ein Unschuldskleid. Er fällt einfach vom Himmel herunter. Er verschweigt seine Herkunft. Der Schnee ist Meister des Versteckens!
Schnee drüber – Schwamm drüber? Ein Ausradiertes Land überall. Ein Landschaftsstaubsauger hat alles weggesaugt und Unendlichkeit hat sich ausgebreitet. Ungeschehen, weil ungesehen? Nein, so einfach ist´s dann doch nicht! Es ist nicht alles weg, was man nicht sieht. Doch irgendwann kommen wir dir auf die Schliche. Sei es durch eine frische Fußspur, ein abgestelltes Irgendwas, ein kleines munteres Flüsschen ꟷ was auch immer. Vielleicht ist es die unbeständige Wintersonne oder der beharrliche Frühlingswind oder die ersten grünen Botschafter durchstoßen erbarmungslos deinen weißen Tarnmantel.
Dann ist es vorbei mit dir. Dann kommen wieder wärmere Tage. Aus deinem Tarnmantel wird ein Trauermantel – schmutzig, zerrissen, mit dunklen Löchern. Du wirst durchsiebt werden, immer früher am Tag. Das Sonnenlicht wird dich auffressen! Denn Schnee ist kein gutes Ruhekissen!
Doch irgendwann wirst du dich fragen müssen: Wann ist, wann war die Zeit für eine Neue Chance für Form und Farbe. Wann ist die Zeit Form zu bilden und Farbe zu bekennen. Wann ist Jetzt?
Wann kommen wieder die wärmeren Tage? Mut und Aufbruch sind dann gefragt.
Denn gute Vorsätze sind der Funken, der den Gedanken zum Überspringen bringt. Doch erst die Tat, setzt der Absicht die goldene Krone auf.
Zunächst erscheint die Neue Zeit als ein kraftloses Etwas. Blass, mit wenig Kontur. Es ist ein erster Zarter Schleier des Kommenden, der sich Form und Farbe gibt. Einer großen Zukunft vielleicht noch unwürdig. Doch dann werden wir die Farben wieder leuchten sehen und die Formen erfühlen, sie wiegen und für richtig befinden. Wir werden uns abarbeiten an allem was verloren war und einen neuen, besseren Maßstab finden ̶ für uns!
Schnee, wir wollen an dir den Wandel erfahren, der uns Mut macht weiter zu gehen, von Jahreszeit zu Jahreszeit, in der Schneezeit und in der Schneefreienzeit.
Doch Laufen, müssen wir selber.
Allgemeiner Ansatz, künstlerische Idee
Meine künstlerische Arbeit bewegt sich seit Jahren auf der Schnittstelle zwischen Literatur und Bildender Kunst. Das heißt, dass soweit die Literaturrecherche als auch die selbstverfassten Texte die Ausgangspunkte meiner Arbeit darstellen.
Beim Verfassen von Texten, die ich immer handschriftlich formuliere, entstehen erste Randbemerkungen und Unterstreichungen als direkte Reflexion des Geschriebenen. Diese handschriftlichen Eintragungen sind der Beginn meiner künstlerischen Reise.
Der Handschrift an sich kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Sie ist authentisch mit ihrem Schreiber und besitzt naturgemäß eine absolute Individualität.
Installationsbegriff
Neben den künstlerischen Arbeiten die im Atelier entstehen, ist die orts- und raumbezogene Installation eine geeignete Form innerhalb meines künstlerischen Schaffens. Sie bietet mir noch weitergehende Möglichkeiten, ein interessiertes Publikum zu erreichen. Die Installationen sind ausschließlich temporäre Arbeiten, die nach ihrer Präsentation wieder abgebaut werden. Teile von ihnen können später innerhalb traditioneller Ausstellungen gezeigt werden, oder eventuell auf eine neue räumliche Situation angepasst werden.
